Faszination Seitenwagen in Torgau
von Günter Schulz
15. Mai 2016
Immer wieder festzustellen, dass die Zuschauer in Neiden beim MSC Pflückuff e.V. im ADAC ein verstärktes Interesse an den Rennen der Seitenwagenklasse zeigen. Bei jeder Gelegenheit wurde immer wieder die Frage gestellt „Wann sehen wir wieder hochkarätige Rennen der Seitenwagen?“. Das letzte große Rennen war 2004, also vor 12 Jahren - ein Lauf zur Weltmeisterschaft.
Dieser Wunsch soll sich in diesem Jahr am 29.Mai 2016 mit einem Lauf zur internationalen deutschen Meisterschaft der Gespanne und der Soloklasse MX2 erfüllen.

Aber wo liegt der Ursprung für dieses Interesse?
Dazu wurde Kurt Elschner, Pionier der lokalen und regionalen Motocross-Szene, aus Taura befragt. Er kann viel von den Anfängen des Motocross- Sports im Torgauer Raum erzählen. Viele Seiten könnte man mit seinen Berichten, Bildern und Programmheften füllen.

Anfang der 70 Jahre stand wieder ein 1. Maifest in Taura an. Einige Männer kamen auf die Idee zur Gestaltung des 1.Mai einmal in einer Sandgrube Motocross fahren, es nannte sich fortan Seriencross. An den vorhandenen Motorrädern wurde gebastelt, um sie für das Fahren in der Sandgrube fit zu machen und sich nicht zu blamieren. AchtMann tratendann am 1.Mai am Startan und hatten ihre Freude, sich im Gelände einmal austoben zu können. Zuerst kamen nur wenige Zuschauern, dies sollte sich im Laufe der Jahre ändern.

Jedes Jahr wurde an der Strecke oder besser gesagt am Gelände weiter gebastelt.Nachdem ein Stück vom angrenzenden Wald mit genutzt werden durfte, konnte die Strecke erweitert werden, später kam noch ein Stück Wiese dazu. Eine Startrampe bauteElschner selbst und so kam eins nach dem anderen hinzu. Es entstand eine Motocross Strecke, die dann zu Kreismeisterschaften genutzt werden konnte.
Diese Aktivitäten am Rande vonTaura lockte natürlich viele Motorsportbegeisterte aus der gesamten Region (Leipzig) an. Sie alle bauten ihre Serienmotorräder so um, dass sie geländetauglich waren.Von Anfang an war auch die Jugend in diesem Sport sehr aktiv.

Es wurde eine technische Vorschrift erarbeitet, was man an den Fahrzeugen umbauen darf und was nicht verändert werden kann. Dabei war das Ziel, dass jeder die Möglichkeiten haben sollte, mit geringen Mitteln aus einer Straßenmaschine eine Rennmaschine für Motocross zu bauen. Es sollten Rennen für Jedermann bleiben.Aus diesem Grund waren gekaufte Motocross Maschinen, die allen davon fuhren, nicht zugelassen. Auch die Rennklassen wurden festgelegt, es gab die Klassen bis 50 ccm, 150 ccm, 250 ccm und Gespanne bis 350 ccm.

Elschner, ein begeisterter Motorsportler und Bastler, hatte eine AWO zu Hause. Er wollte noch mehr Action auf der Strecke. Ihn reizte das Fahren mit Gespanne. Mit seinem Schmiermaxen Karl HeinzWerkmeister baute er ein Gespann. Als Beiwagen wurde das Gestell einer alten Touren AWO verwendet.In seinem 1. Rennen war neben ihm nur das Team Ermel am Start.Dieser Sport gefiel vielen, was deutlich an der Teilnehmerzahl der Gespanne zu sehen war. Beim Besuch nationaler und internationaler wurden Ideenstibitzt, Erfahrungen gesammelt und diese zu Hause umgesetzt.

Ab 1978 liegen Programme vor. Darin ist zu sehen, dass am 30. April 1978 das 3. Tauraer Serien Moto Cross veranstaltet wurde. Am Start waren nur die Soloklasse bis 150 ccm und die Gespannklasse. In der Soloklasse waren 73 Fahrer am Start, in der Gespannklasse waren es 13 Teams. Als Solofahrzeug wurde vorrangig die MZ eingesetzt, wenige fuhren auf Jawa und CZ. Bei den Gespannen wurden AWO, Jawa und MZ eingesetzt.

Die Fahrer kamen alle aus der Umgebung von Taura bzw. Torgau. Elschner startete sowohl bei den Solos als auch bei den Gespannen. Wenn man die Starterlisten anschaut, stehen dort viele bekannte Namen. Deren Kinder oder Enkel sind jetzt wieder im Motocross aktiv bzw. sind in der Organisation bei Veranstaltungen dabei.Das zeigt die Faszination Motocross wird vererbt, sie steckt sozusagen im Blut.
Beim 4. Tauraer Serien Moto Cross am 10. September 1978 wurde schon um die Kreismeisterschaft gekämpft. Hier hatte sich schon der Motorsportclub WTZ Bauglas Torgau im ADMV, Seriencross Gruppe Taura gebildet und später unter den Namen VEB Flachglaskombinat Torgauim ADAV der DDR.Harald Weber war der langjährige Vereinschef.
Die Kreismeisterschaft wurde auf den Strecken in Torgau am schwarzen Bär,Blumberg,  später Zwethau und in der Tongrube Belgern ausgetragen.
Hier gab es wieder erstaunlich viele Starter. In den Soloklassen waren es 79 Teilnehmer und bei den Gespannen waren es 20 Teams.

Beim 5. Tauraer Serien Moto Cross am 29. April 1979 waren u.a. schon 27 Gespanne am Start. Die Teilnahme an der Gespannklasse steigerte sich von Jahr zu Jahr. Zum Beispiel lag sie 1982 bei 31 Gespannenund alle kamen aus der Region. Als Fahrzeug wurde die MZ 250/300 eingesetzt, wie auch von Kurt Elschner. Es gingen wenige mit Jawa und AWO an den Start.Später wurden Umbauten am Fahrwerk der Gespanne vorgenommen. Mit dem Einbau von Gabelschwingen konnten entscheidende Vorteile errungen werden. Dieser Entwicklung stand man kritisch gegenüber.

Zum Ende des Jahres gab es in Torgau eine Festveranstaltung mit der Ehrung der Kreismeister im Motorsport. Den motorsportlichen Höhepunkt erlebte Taura am 28. April 1985 mit dem DDR Meisterschaftslauf der Jugend bis 50 ccm und ein DDR- offener Lauf bis 125 ccm.

Ende der 80 Jahre gab es Probleme mit der Nutzung der Wiese und des Waldes. Dies besiegelte vorerst das Ende des Motorsports - es gab keine Strecke mehr.

Der Neubeginn des Motocross- Sports in Torgau wurde mit der Gründung des MSC Pflückuff e. V. am 12. Oktober 1995 von Volkmar Böhme eingeleitet.













 
     
     

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